Aus aktuellem Anlass: Keine Chance für Legionellen!
Nach aktuellem Sachstand stammen die Legionellen, die mutmaßlich zu
einer Erkrankung von fast 70 Menschen in der Region Ulm führten und fünf
Todesopfer forderten, aus einer im Probebetrieb befindlichen
Rückkühlanlage. Die Ursachen für den Ulmer Fall sollen durch einen
Gutachter geklärt werden. Hier erfahren die verantwortlichen Betreiber
von Verdunstungs-Rückkühlanlagen, welche Vorsorgemaßnahmen sie zur
Vermeidung von Legionellen treffen können.
Ereigniskette: Infektionsquelle Kühlturm
Das Auftreten der Legionärskrankheit im Zusammenhang mit einer
Verdunstungskühlanlage bedarf einer Reihe von Ereignissen, die ALLE in
zeitlichem Ablauf nacheinander erfolgen müssen:
- Die Verunreinigung des Kühlwassers mit virulenten Legionellen.
Legionellen
sind aerobe Bakterien, die in geringer Zahl in allen
Oberflächengewässern und im Grundwasser vorhanden sind. Von dort aus
können sie jederzeit mit dem Rohwasser in wasserführende Systeme wie
Trinkwasserversorgungsanlagen und Kühltürme gelangen.
- Die Bedingungen im Kühlturm ermöglichen das Legionellenwachstum .
Legionellen
leben in einer Art Mikrokosmos, z.B. in Protozoen des Biofilms und
können sich in Wirtszellen, z.B. Amöben intrazellulär vermehren. Ihre
Konzentration im Wasser hängt ab von längeren Verweilzeiten
(Stagnation), geeigneten Nahrungsgrundlagen, dem Säuregrad und vor allem
von der Temperatur. Süßwasser im Temperaturbereich von 25°C bis 45°C,
Biofilme in Rohrleitungen und Sedimente in Behältern schaffen den
idealen Nährboden für Legionellen.
Quelle:
Legionellenproblematik
im Trinkwasser (FLUGS-Fachinformationsdienst am Helmholtz Zentrum
München, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt)
- Das mit Legionellen kontaminierte Kreislaufwasser verlässt den Kühlturm und gelangt in die Atmosphäre.
Tropfenabscheider
verhindern, dass feinste Wassertröpfchen mit der Abluft den Kühlturm
verlassen. Diese so genannten Aerosole haben annähernd die gleiche
Zusammensetzung wie das Kreislaufwasser und können bei unzureichenden
Tropfenabscheidern dessen Inhaltsstoffe (Mikroorganismen, Salze und
ander chemische Schadstoffe) in die Umwelt transportieren.
- Eine Mindestmenge dieser Tropfen wird durch gefährdete Personen eingeatmet.
Legionellose
ist eine schwere Form der Lungenentzündung, die in etwa 10 bis 15
Prozent der Fälle tödlich endet.. Die Infektion erfolgt durch Einatmen
legionellenverseuchter Aerosole. Sie beginnt anfänglich wie eine Grippe
mit Husten, Kopf- und Gliederschmerzen. Menschen mit geschwächtem
Immunsystem, Raucher und Alkoholiker gehören zur besonders anfälligen
Risikogruppe. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch gibt es
nicht. Auch wer mit Legionellen verseuchtes Wasser trinkt, muss keine
Angst haben. Infektionsgefahr besteht vor allem dort, wo feiner
Wasserdampf oder Sprühnebel entsteht.
Um das Auftreten der Legionärskrankheit zu verhindern, ist es erforderlich, die Ereigniskette zu unterbrechen.
Möglichkeiten für Betreiber von Rückkühlanlagen
Betreiber von Rückkühlanlagen können vor allem das zweite und das dritte
Ereignis dieser Folge beeinflussen. Durch vorausschauende Planung,
regelmäßige Überwachung und sorgfältige Wartung während des Betriebs
sorgen sie dafür, dass das Milieu in seiner Kühlanlage erst gar kein
unkontrolliertes Legionellenwachstum ermöglicht. Darüber hinaus
unterbinden sie mit Hilfe wirkungsvoller Tropfenabscheider die Emission
schädlicher Aerosole aus dem Kühlturm in die Umwelt.