Mehr Effizienz durch Verdunstungskühlung
In zahlreichen Anwendungsbereichen werden heute Nass-Kühltürme und Verdunstungskühlaggregate eingesetzt, um
- Abwärme einem Produktions- oder Energieumwandlungsprozess zu entziehen oder
- um die Verflüssigungswärme einer Kälteanlage auf möglichst niedrigem Temperaturniveau direkt an die Atmosphäre abzugeben.
Als Kühlmedium wird Wasser verwendet, da es bereits bei
Umgebungstemperatur verdunstet. Bei der Verdunstung von einem Kilogramm
Wasser wird eine Wärmemenge von etwa 2.407 kJ (0,669kWh) benötigt, die
dem Kreislaufwasser des Kühlturmes entzogen wird. Es kühlt ab. Der
Verdunstungsprozess an sich benötigt keine von außen zugeführte Energie.
Kreislaufschema: Freie Kühlung (Geschlossener Kreislauf)
Die verdunstete Wassermenge ist proportional zur abgeführten Wärmemenge.
Je größer die Kontaktfläche zwischen Wasser und Luft ist, desto größer
ist die Verdunstung und folglich auch die Abkühlung. Zur Vergrößerung
der Wasseroberfläche wird das Wasser in den Kühltürmen daher versprüht.
Leider ist damit auch ein erhöhter Eintrag an Sauerstoff und
Luftverunreinigungen verbunden, dem bei der Wasserbehandlung Rechnung
getragen werden muss. Bei Anwendungen, in denen dieser Effekt im
Verbraucherkreislauf unerwünscht ist, erfolgt die Verdunstungskühlung in
einem zweiten, separaten Sprühwasserkreislauf. Hierbei handelt es sich
um Verdunstungskühltürme für geschlossene Kreisläufe, sog.
Verdunstungskühler.
Zweikreis-Schema: Offener Kühlkreislauf
In beiden Systemen beruht die Wärmeübertragung auf der Differenz
zwischen der Feuchtkugeltemperatur am Lufteintritt und der gewünschten
Kühlwasser-Austrittstemperatur (Kühlgrenzabstand). Wirtschaftlich
vertretbar ist ein Kühlgrenzabstand von 3 Kelvin. Die
Feuchtkugeltemperatur ist bekannter weise deutlich niedriger als die am
trockenen Thermometer gemessene Umgebungstemperatur. Daher können mit
Verdunstungskühlaggregaten immer wesentlich niedrigere Temperaturen
erreicht werden als mit Aggregaten, die nur die Umgebungsluft zur
Kühlung verwenden.
Viele industrielle Prozesse laufen bei niedrigen Temperaturen
effizienter ab, die nur mittels Verdunstungskühlung erreicht werden
können. Damit verbunden sind eine erhebliche Energieeinsparung der
Gesamtanlage und ein deutlich verminderter CO2-Ausstoß.
Wie in nachfolgendem Beispiel veranschaulicht, kann durch Absenkung der
Verflüssigungstemperatur einer Kälteanlage um 1 Kelvin der Kraftbedarf
für Kältekompressoren um 2 bis 3 % reduziert und somit der
Gesamtwirkungsgrad verbessert werden. Voraussetzung ist allerdings, dass
bei Verwendung von Verdunstungsaggregaten alle mit Wasser benetzen
Teile – insbesondere die Wärmetauscheroberflächen – sauber und frei von
Ablagerungen jeglicher Art sind. Der Preis für die Nutzung der
Verdunstungskühlung ist eine adäquate Wasserbehandung des zur Verfügung
stehenden Wassers.
Beispiel: Vorteil der Verdunstungskühlung gegenüber luftgekühlten Anlagen
Leistungsaufnahme eines NH-Schraubenverdichters in Abhängigkeit von der Verflüssigungstemperatur bei
1.000 kW Kälteleistung
-10 °C Verdampfung
Der Kraftbedarf des Verdichters einer NH3-Industriekälteanlage
verringert sich, wenn die Verflüssigungstemperatur von
40 °C (luftgekühlt) auf 30°C (Verdunstungskühlung) abgesenkt werden
kann. Die Einsparung beträgt 75 kW für den Verdichterantrieb und ergibt
bei 10 Cent/kWh und 5.000 Volllastbetriebsstunden eine Einsparung von
37.500 Euro Stromkosten.